Lasik
Was wird getan, um die dringend benötigten Spenderhornhäute zu erhalten? Drucken E-Mail

Wenn wir über einen Todesfall informiert werden, setzen wir uns mit den Angehörigen des Verstorbenen in Verbindung. Wir erklären ihnen die Möglichkeit der Organspende und natürlich insbesondere der Hornhautspende. Bei Hornhäuten besteht der Vorteil, dass sie noch bis zu 76 Stunden nach dem Tod entfernt werden können. Also können sich die Hinterbliebenen in Ruhe überlegen, ob sie einer Entnahme zustimmen.
Oft ist für eine positive Zusage entscheidend, dass mit einer Organspende einem Lebenden geholfen werden kann. Die wesentlichen Inhalte der Gespräche mit den Angehörigen werden protokolliert und aufbewahrt. Somit bleibt die Herkunft jeder einzelnen Hornhaut nachvollziehbar.
Wenn sich die Hinterbliebenen positiv entscheiden, werden die Spenderorgane entfernt und in die Hornhautbank gebracht. Der Transport erfolgt in kleinen Plastikgefäßen. Dem Verstorbenen werden Glasprothesen eingesetzt. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von den natürlichen Augen und haben auch die gleiche Farbe. In der Hornhautbank in Leiden wird die Hornhaut präpariert. Anschließend wird sie unter dem Mikroskop untersucht, fotografiert und nach bestimmten Kriterien eingeordnet. Dabei gilt beispielsweise die Zelldichte auf der Hornhautrückseite (des Endothels) als ein wesentliches Qualitätsmerkmal.
Diese sorgfältige Analyse und die nachfolgende Beobachtung der Hornhaut im Konservierungsverfahren gewährleisten die Bereitstellung von optimalen Transplantaten. Gleichzeitig schließen mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderbluts aus, dass Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden.
Nach der sogenannten Erstbefundung wird die Hornhaut in eine Nährlösung eingelegt. Sie wird "kultiviert": Der Hornhaut wird vorgespielt, dass sie weiterlebt. Das Medium, in dem die Hornhaut schwimmt, ist einerseits eine Nährlösung, welche das Gewebe weiterversorgt, andererseits enthält die Lösung aber auch antibiotische Stoffe, um das Transplantat frei von infektiösen Bakterien zu halten.
Aus Gründen der Sterilität findet die eigentliche Kultivierung der Hornhäute in einem separaten Raum statt. Hier werden die Fläschchen mit den Hornhäuten und Nährlösungen in einem sogenannten Brutschrank aufbewahrt. Innen herrschen hier konstant 37 Grad Celsius, was der Körpertemperatur entspricht. Vier bis sechs Wochen können die Zellen der Hornhäute in diesem Schrank überleben.
Kurz vor der Transplantation wird die Hornhaut in ein anderes Medium umgebettet. Das erste Medium ist für die längere Aufbewahrung gedacht. Dabei quillt die Hornhaut auf. Die zweite Flüssigkeit ist dem Zustand im menschlichen Auge näher angepasst. Sie entquellt die Hornhaut wieder, entzieht ihr also Wasser.
Selbstverständlich wird bei der Arbeit strikt auf Sauberkeit und Hygiene geachtet. Die Hornhäute selbst unterliegen vier Sterilitätskontrollen: einer ersten direkt nach der Entnahme. Dann jeweils einer weiteren vor dem Einbetten in das erste und zweite Medium und schließlich einer vierten kurz vor der Transplantation. Proben der Nährlösungen werden ständig abgefüllt und zur Kontrolle an das zuständige mikrobiologische Institut geschickt.
Neben der Qualitätssicherung der Spenderorgane besteht ein wesentlicher Vorteil der Hornhautbanken darin, dass sie die individuelle Zuordnung der Transplantate an die Empfänger organisieren. Da die Hornhäute im Brutschrank vier bis sechs Wochen leben bleiben, ist genügend Zeit, die Patienten in Ruhe und planmäßig einzubestellen und auf ihre Operation vorzubereiten. Auf diese Weise ist man nicht auf eine mehr oder weniger zufällig angebotene Spenderhornhaut angewiesen. Notoperationen mit hektischen Vorbereitungen, wie sie sonst aus der Transplantationschirurgie bekannt sind, werden somit ausgeschlossen.
Pro Jahr werden in Deutschland durchschnittlich drei- bis viertausend Hornhauttransplantationen (Keratoplastiken) durchgeführt. Der Bedarf ist damit aber nicht annähernd gedeckt; er ist mindestens doppelt so hoch. Ursache für den Mangel an Transplantaten ist die fehlende Aufklärung der Bevölkerung. Viele Menschen wissen gar nicht, dass es die Möglichkeit einer Hornhautspende gibt. Bei den Aufklärungsaktionen über Organspenden werden die Augen oft vergessen. Andererseits fällt in den Gesprächen mit den Angehörigen von Verstorbenen immer wieder die hohe Akzeptanz der Hornhautspende auf. Wenn man den Betroffenen eindeutig erklärt, worum es geht, stimmen sie der Entnahme der Augen oftmals bereitwillig zu.

 

Quelle: Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH (http://www.uniklinikum-giessen.de/augen/hornhaut.html); entnommen am 05. Februar 2009

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 5. Februar 2009 )
 
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Montag, 20. November 2017
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